Erfahrungsbericht Canon XH-A1 TEIL I (Herr der Ringe)

Nach dem die Kamera ausgepackt und der Akku geladen war, ist es natürlich immer ein spannender Moment, wenn man so eine neue Errungenschaft einschaltet.

Nach kurzem herumprobieren, war schnell klar, dass es sich um kein Amateurmodell handelt.
Der erste Eindruck war nicht einmal mit meinen bisherigen Kameras, der Sony VX 2100 und der kleinen „Vorgängerschwester“ der XH-A1, der Xm2 vergleichbar.

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Ich will hier auch keinen Testbericht veröffentlichen, weil ich ganz einfach keine Testumgebung habe und es meiner Meinung nach schon genug von den Testberichten gibt, die mehr oder weniger gefärbt sind. Vielmehr möchte ich auf die Erfahrung und das Handling in der Praxis eingehen. Hier speziell möchte ich auf den Drehalltag im Reportagebereich, weil es meine häufigsten Anwendungen sind und sich hier am ehesten herausstellt, ob die Kamera alltagstauglich ist oder nicht, eingehen. Ich will hier keinen Vergrämen, aber am Set hat man doch im Normalfall (fast) alle Zeit der Welt um die richtigen Parameter zu finden, gute Kenntnisse der Kamera sind aber auch am Set Voraussetzung.

Meinem Bericht gestehe ich somit von Anfang an zu, dass er sehr subjektiv auf meinen Erfahrungen aufbaut und somit logischerweise nach meinem Geschmack gefärbt ist.
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Also richtige Vergleiche kann ich aus eigener Erfahrung her, vom Handling nur zur VX 2100 und zum Vorgängermodell von Canon, der XM2 machen. Klar kann man diese Kameras in Punkto Bild nicht vergleichen, aber vielleicht ist es doch interessant, welche Unterschiede, bzw. Vor und Nachteile sich im Handling zu meinen Vergleichskandidaten herausstellen.

Also zunächst mal muss ich sagen, dass es im Grunde nicht sooo große Unterschiede gibt, wer eine XM2 oder VX bedienen kann, der wird auch mit der A1 schnell zurecht kommen. Im Automatikmodus (wenn man ihn verwenden möchte) zuerst mal kaum ein Unterschied. Einschalten Rec. drücken und losfilmen. So wie bei der VX oder der XM2 auch.

Nachdem ich aber selten im Automatikmodus arbeite, will ich darauf nicht unbedingt näher eingehen.

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HERR DER RINGE:

Zoom:

Also ein wesentlicher Unterschied zur XM2 sind etwa die 3 Einstellringe am Objetiv. Hier bietet die XM2 ja nur den Focus-Ring. Die VX ist da schon etwas besser und bietet dazu einen Zoomring, der sicherlich sehr praktisch ist. Der Zoomring bei der XH-A1 arbeitet ähnlich wie bei der VX leider auch nicht direkt, sondern Servogesteuert, das heißt, das Drehen wird durch einen elektronischen Motor übersetzt und somit der Zoomfaktor verändert. Hier muss ich aber sagen, dass der Ring der A1 meiner Meinung nach etwas scheller arbeitet und etwas direkter übersetzt ist als jener der VX. Reißzooms werden damit zwar auch nicht gelingen, so wie mit Profiobjektiven, aber es kommt der Sache schon viel näher.

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Focus:

Dazu ein Focusring, der zwar wie fast alle übersetzten „Schärfenringe“ etwas ungenau arbeiten, aber doch etwas präziser als der bei der XM2 und auch der von der VX, dazu kommt natürlich, dass das Objektiv einfach etwas größer ist als das Objektiv der Vorgänger und somit griffiger ist.

Das einzigartige am XH-A1 Zoomring ist, dass er nicht nur im manuellen Focus-Mode arbeitet, sondern man kann damit sogar auch dem Autofocus zu Hilfe kommen bzw. dem Autofocus (AF) entgegenarbeiten. Somit ist es auch im AF-Mode möglich das Bild unscharf zu ziehen.
Gibt man den Schärfering frei arbeitet sofort der AF wieder, das ist einerseits recht praktisch, aber auch gewöhnungsbedürftig, denn wenn man wie ich oft „schräge“ Perspektiven dreht, kann es leicht passieren, dass man den Schärfering mitdreht, wenn man die Kamera etwa dreht oder am Objektiv umfasst, so wie ich es oft bei „unterständigen“ Perspektiven mache. Das erfordert sicher noch ein wenig Übung und Gewähnung
Bei meinem ersten Reportage Einsatz, habe ich sehr viel manuell focusiert, was im Grunde recht gut geht, wenn man etwas Übung hat. Bisher hab ich gerade bei Reportagen fast ganz darauf verzichtet, weil die Focusringe der VX und XM2 doch recht fummelig sind.

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Mit der A1 ist es mir erstmals gelungen, relativ kontinuierlich und gut manuell zu focusieren, wenn die Konzentration nachlässt kann man ja immer noch den AF um Hilfe bitten. Der Autofocus verfügt über zwei Modi, zum einen der gewohnte AF wie etwa bei der XM2 oder XL1, der ja nicht gerade berühmt war/ist, zum anderen der Instant-AF ( I-AF ), den die XH-A1 von den Canon Fotokameras geerbt hat.

Der I-AF ist zwar viel präziser und schneller als der Herkömmliche AF und im Vergleich zu den anderen Kameras, die ich bisher bedient habe, besser. Wobei man auch sagen muss, dass er in manchen Situationen etwas nervös ist. Das lässt sich zwar auch im Menüjustieren, aber in manchen Situationen ist das trotzdem nervig. Das verstärkt sich bei wenig Licht noch mehr. Bei Tageslicht ist der I-AF echt spitze, aber wie gesagt ganz leicht nervös.

Dazu gekommen ist beim Focus auch noch, dass es ähnlich wie bei der VX einen Push-AF Button gibt, der auf Knopfdruck auch im manuellen Modus den AF oder I-AF aktiviert. Mit den Position Presets, welche Anfangsschärfe und Endschärfe bestimmen, welche auf Knopfdruck abrufbar sind, hab ich mich noch nicht sonderlich beschäftigt, was aber für den Reportage Einsatz nicht viel bringen dürfte, bzw. sehr gut trainiert sein muss um wirklich Sinn zu machen. Diese Funktion ist wohl eher für Dokus oder für den Dreh am Set geeignet.

Dazu muss ich noch erwähnen, dass sich sämtliche Ringe in der Drehrichtung und Geschwindigkeit in den Custom Functions umkehren bzw. Einstellen lassen.

Was die Schärfebeurteilung angeht, ist es natürlich in HDV etwas schwierig mit den kleinen Displays zu beurteilen ob das abgebildete Objekt tatsächlich scharf ist, das ist auch bei der FX1 schon schwieriger als bei den SD Modellen, wobei eben das Display der FX1/Z1 doch deutlich größer ist als das der XH-A1.

Auch wenn das Display der XH-A1 fast gleich hoch auflöst wie das Display der FX1/Z1 ist es doch recht schwierig, weil es wesentlich kleiner ist. Dazu habe ich bei meinem letzten Dreh fast die ganze Zeit die Peaking Kontrolle (feine Säume umranden scharfe Objekte um die Schärfe besser beurteilen zu können) eingeschaltet lassen.

Der Vorteil des Paeakings bei der XH-A1 gegenüber der FX1 ist, dass es wesentlich subtiler und auch mit weniger Toleranz arbeitet und somit fast nicht stört, wenn es ständig eingeschaltet ist und es eben genauer arbeitet. Damit kann ich ganz gut Leben und hin und wieder den AF befragen, was den der dazu meint ist auch ganz hilfreich und schnell geht das ja mit der Insatnt-AF Funktion.

Mit eingeschalteter Peaking-Kontrolle lässt sich die XH-A1 auch mit Hilfe des Focusrings recht gut manuell focusieren.
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Das soll aber keineswegs ein Schönreden des Canon-Displays sein, das Display der Canon XH-A1 ist für HDV echt schlecht und zu klein, dazu kommt, dass die Sony Displays (so meine Erfahrung von der VX ) einen größeren Blickwinkel zulassen und auch von der Sonne nicht so schnell beeindruckt werden.

Was den Schwenkarm des Displays angeht, so muss man sich daran gewöhnen, aber das geht sehr schnell und das fast frei schwebende Display hat den Vorteil, dass es so gut wie kein Bedienelement verdeckt. Ein Umstand, der mit bei der VX ständig auf die Nerven gegangen ist, wenn das gekippte Display etwa das Blendenrädchen verdeckt und es nicht zu erreichen ist.

Wie gut und wie lange die etwas filigran wirkende Konstruktion hält, muss sich herausstellen, bisher schein es aber robuster zu sein, als es aussieht.

Blende:

Wohl einzigartig in dieser Klasse ist der Blendenring, der, um Missverständnissen vorzubeugen, auch nicht direkt und manuell wirkt, sondern ebenfalls servogesteuert funktioniert. Tatsächlich sind die Blendenstufen so gering, bzw. der Übergang so weich, dass man fast keine Sprünge merkt (also ich merk sie so gut wie gar nicht) und das kommt einem manuellen Blendenring, wie man sich das wünscht schon sehr sehr nahe. Dazu kann man mit dem „Exposure Lock“ Button auch im Automatikmodus oder im halbautomatischen Modus mit Zeitvorwahl und Blendenautomatik die Automatik jederzeit sperren und über den Blendenring nachregeln.
Eine tolle Funktion, die auch in der Praxis viel Sinn macht und gegenüber dem kleinen Hebel der XM2 und dem kleinen Rädchen der VX um vieles besser zu bedienen ist.

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Sodala, ich höre mal auf zu schreiben, mehr zu meinen Erfahrungen mit der XH-A1, wenn es die Zeit wieder erlaubt.

Jetzt muss ich mich um eine Präsentation kümmern, die HDV wieder einmal um Längen voraus ist, den 8 Mega-Pixel von einer Fotokamera kann auch HDV noch nicht das Wasser reichen.

3 thoughts on “Erfahrungsbericht Canon XH-A1 TEIL I (Herr der Ringe)

  1. Hallo Markus,

    ein großes Kompliment für Deinen ausführlichen und gut verständlich geschriebenen Erfahrungsbericht. Obwohl ich nicht mit der A1 arbeite, hat mich der Bericht doch sehr interessiert, vor allem auch Deine erwähnten Vergleiche mit VX2100 und der FX1.

    Ein großes Kompliment auch zu dem Aufbau Deiner HP, die ich ab sofort zu meinen Favoriten hinzugefügt habe. Es ist doch sehr viel Interessantes darin zu finden.

    Gruß
    Udo

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